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Blick vom Schlossplatz Stuttgart auf Dach-Silhouette mit goldener Merkur-Statue

 

Demokrasee

Es war einmal ein wohlhabendes Fürstentum mit reichen Hütten sowohl in Städten als auch tiefen dunklen Wäldern, ganz in der Ferne grenzend an den Großen Demokrasee, dementsprechend hieß das Ländle Schwarzhüttemberg, und zwischen Weingärten lag die Hauptstadt 'Wengerttgart'.

Es war Brauch, dass der Fürst sich lustig machte über die Leute jenseits des Sees, und darüber, wie umständlich deren sogenannte 'Meinungsbildung' vonstatten ging. Wie sollte einer sagen, wo's lang geht, wenn da immer solch dämliche Befragungen des Volkes dazwischen funkten? Hinter-Seer war noch eins der milderen Hämeworte um das Völkchen zu verspotten.

Eines Tages wurde ein neuer Landesfürst namens Nabbumm inthronisiert, der den Spitznamen 'Schnappum' weghatte, weil er bei körperlicher Anstrengung, also wenn er zum Beispiel nachdenken wollte um eine Idee zu begründen, so schnappend atmetete, wie auch bei Aufregung, also wenn jemand nicht sofort bejubelte, was der Fürst sagte. Aber er hatte die besten Berater um sich geschart, und sie empfahlen 'die Flucht nach vorn':

Der Spitzname wurde werbewirksam aufgegriffen und leicht abgeändert, und von nun an hieß seine Kutsche 'Nabb-Bus'. Die Hauptstadt wurde umbenannt in Nabbuttgart, und ihr Bürgermeister wurde 'überredet', sich nun zwar Ober-Hochtief-Bürgermeister zu nennen, ansonsten aber das Feld dem neuen Stadtpatron zu überlassen, dessen Titel Nabburgermeister sein sollte, das Amt wurde so nebenher von Nabbumm übernommen.

Als letzte Großtat durfte der Ober-Hochtief-Bürgermeister mitten in Nabbuttgart einen riesigen See anlegen. Nebenbei würden des Ober-Hochtief-Bürgermeisters stinkreiche Freunde aus dem Maulwurfsgeschäft ganz gut dran verdienen. Das Gewässer konnte nur Nabbu-See heißen und würde allein vom Namen her den Zurückgebliebenen hinterm Demokrasee Ehrfurcht einflößen. Schiffe, die von der Donau her oder über den Rhein Waren für die Hinter-Seer brachten, sollten gezwungen werden, im Nabbu-See eine Ehrenrunde zu drehen, und wenn dafür noch so teure Kanäle gebuddelt werden mussten. Nebenbei würden des Nabburgermeisters stinkreiche Freunde aus der Verlade-Branche ganz gut dran verdienen.

Ganz aus Versehen rutschte den Maulwürfen so mancher Träger der Uferbefestigung in die große Grube. Dass die Stahlpfosten hinterher in Verladegeschäften gehandelt wurden, war purer Zufall. Nicht zuletzt wegen fehlender Befestigung verbrauchten sie zur Befüllung der Großen Grube leider alles Trinkwasser, nicht nur aus Nabbuttgart, sondern aus ganz Nabburtemberg, wie das Land inzwischen genannt wurde.

Zum Glück waren die Hinter-Seer nicht nachtragend und versorgten die verdurstende Bevölkerung Nabburttembergs mit sauberem Wasser aus dem Demokrasee. Die Nabburttemberger haben dabei ihre Nachbarn schätzen gelernt.

Und heute, wo sowieso keiner mehr weiß, wer dieser Schnappum-Nabbumm eigentlich war, überlegen sie sogar, sich endlich vernünftige Namen zu geben, zum Beispiel Allemannenberg fürs Ländle. Und weil es auf dem Gebiet der Hauptstadt neben Gärten schon immer auch Juchtenkäfer gab, könnte sie fortan Juchtgart heißen. Vor allem aber geben die Leute sich jetzt vernünftige Regeln für die sogenannte 'Meinungsbildung', und sie sind ganz schön froh, von ihren Nachbarn allerhand lernen zu können, teilweise sogar aus Fehlern, denn hinterm See dürfen solche zugegeben werden.

Aber das ist eine andere Geschichte, und wer weiß, womöglich eine richtig gute Fortsetzung.

 

Blick aus Schlossplatzmitte zu Demonstranten vor dem Koenigsbau Blick aus Schlossplatzmitte zum unteren Teil der Kunstmuseum-Treppen
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