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Blick vom Schlossplatz Stuttgart auf Dach-Silhouette mit goldener Merkur-Statue

 

Geldwaschen und effektive Gegenmaßnahmen

(Ein Paar in mittlerem Alter hat die Warteschlange am Kassenschalter einer Postfiliale hinter sich gebracht, ich weiss, dass sie verlobt sind und demnächst in Lothringen heiraten werden, ein gemeinsamer Freund hat dort alle Vorbereitungen getroffen; sie wendet sich an den betont gelassenen Schalterbeamten)

Guten Morgen, ich müßte 635 Euro nach Frankreich überweisen, genauer gesagt: ich wills einzahlen, so dass es auf dem Konto eines Catering-Service in Weißenburg landet, also in Wissembourg auf Französisch.

Ja, das ist dann eine Auslands-Transaktion.

Hab ich mir schon gedacht und hab auch schon dieses Papier hier ausgefüllt.

Schaun mr mal, gut, damit geht es zu machen, wenn Sie bar zahlen. Und zudem 8 Euro 14 an Gebühren entrichten.

Mh, die 635 hab ich zwar passend mitgebracht, aber kein Kleingeld, ich schau mal...

(Ihr Partner mischt sich ein)

Hier, ich hab das passend, sogar die 14 Cent, wenn ich das Geld hierher legen...

(Der Mann hinterm Schalter entwickelt plötzlich ungeahnte Aktivität, gestikulierend fährt er dazwischen)

Was tun Sie da! Ich erkläre die Transaktion hiermit für beendet. Diese Überweisung darf nicht getätigt werden!

(Aufmerksamkeit allenthalben, mit ratlosem Gesicht fragt sie)

Äh, aber, ich dachte, es wäre alles richtig ausgefüllt und so.

Jetzt lenken Sie nicht ab! Das ist doch ein klarer Verstoß gegen das Geldwäschegesetz, was Sie hier versuchen.

Geld-was? Wieso denn Wäsche? Ich leiste eine Anzahlung an einen Catering-Service, der nächste Woche unsere Hochzeit ausrichtet, das ist sogar aus den Angaben auf dem Formular ersichtlich, was soll daran Geldwäsche sein?

Das geht mich doch nichts an. Für mich an der Kasse heißt die Direktive ganz klar: es muss eine eindeutige Zuordnung vom Zahlenden zum Zahlungsempfänger erkennbar sein. Und wird diese durchbrochen, so darf ich die Transaktion nicht tätigen.

Äh, ja und?

Und, und, Sie können doch hier nicht einfach mir Geld von zweierlei Personen anreichen, wo bleibt denn da die eindeutige Zuordnung. Nein, so geht das nicht, das ist gegen das Gesetz.

Jetzt beginne ich zu verstehen. Die 8 Euro 14 Gebühr sind nicht eindeutig mir, der Einzahlenden, zuordenbar. Und wenn ich Ihnen sage, dass es wirklich unsere gemeinsame Hochzeit ist, und wir diese gemeinsam bezahlen...

Das kann ich doch nicht nachprüfen, und eine Hochzeit ist keine eindeutige Person, nein nein, so kommen Sie mir nicht durch, Sie mischen mir hier nicht so einfach das Geld Ihrer Begleitung unter. Wenn Sie jetzt bitte den Schalter frei geben, da sind noch allerhand Leute, die einzahlen wollen.

Ja, genau wie w... äh wie ich. Ich glaub, ich habs jetzt ganz und gar verstanden. Ich versichere Ihnen hiermit, dass mein Verlobter keineswegs Geld untermischen wollte, nicht mal zuschießen wollte er. Es ging nur darum, dass ich die 14 Cent nicht klein habe, da hätte er mir vielleicht wechseln können. Aber das ist wegen mir gar nicht nötig. Ich bezahle hiermit die Gebühren, ausdrücklich aus eigener Tasche, sehen Sie, hab halt nur diesen zweihunderter-Schein, bitte sehr.

Da bin ich mir noch gar nicht so sicher, denn Sie haben hier ganz offen demonstriert, dass Sie gemeinsame Sache machen, bei dieser Einzahlung, und dieses Wissen bin ich durchaus verpflichtet einzubeziehen...

Ah, wie schön, dass Sie nun nicht mehr sagen, es ginge Sie nichts an, was wir machen. Und schauen Sie, hier ist sogar unsere Bescheinigung vom Standesamt, dass wir den Hochzeitstermin haben, hier mein Ausweis liegt ja schon die ganze Zeit vor Ihnen. Wollen Sie auch die Adresse, wo die Hochzeitsfeier stattfindet? Wissen Sie was, ich lade Sie hiermit ein, mit Karte, da ist sogar die Anfahrtsskizze drauf, das können Sie dann alles nachprüfen. Und bitte werten Sie das nicht als Bestechungsversuch, sondern nur als meinen Beitrag, Ihnen bei Ihrer Pflichterfüllung des Geldwäschegesetzes zu helfen wo ich nur kann. Soll ich auch Ihren Vorgesetzten einladen...

(Mit erst grauem dann zunehmend rotem Gesicht beginnt der Kassier ein weiteres Formular auszufüllen, alle Papiere mehrfach zu stempeln, abzuheften, die Gebühren einzutippen, und so nebenbei nach Wechselgeld zu kramen. Als die Aufmerksamkeit der Umstehenden offenbar erloschen ist senkt er die Stimme und schiebt den zweihunderter-Schein leicht von sich weg)

Könnten Sie Ihre Begleitung vielleicht ersuchen, ob er Ihnen den Geldschein klein machen kann?

 

Blick aus Schlossplatzmitte zu Demonstranten vor dem Koenigsbau Blick aus Schlossplatzmitte zum unteren Teil der Kunstmuseum-Treppen
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